Termin-Empfehlung: Café Subversiv – Merry Crisis!

Flyer fürs Cafe Subversiv

Warum hinter der Krise niemand die Fäden zieht
und wohin die Reise sonst so gehen könnte.

Café Subversiv
eine kooperation von ein paar leuten von HuS und GeWi

Auftakt: Merry Crisis!

Warum hinter der Krise niemand die Fäden zieht
und wohin die Reise sonst so gehen könnte.

GeWi am Uni-Campus Hof 2
links hinterm Hörsaalzentrum

ab 15 Uhr Chillerei und Leseecke
ab 16 Uhr Diskussion
ab ca. 19 Uhr Film „Für eine andere Welt“

Als Lektüre zur Diskussion:

Die Krise der kapitalistischen Normalität

http://phase2.nadir.org/rechts.php?artikel=752

Ich krieg die Krise (immer wieder)!

http://zimtundzucker.blogsport.de/2010/11/18/ich-krieg-die-krise-immer-wieder/

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http://antifaw.blogsport.de/

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Lolliglo Symposion

Außerdem findet diesen Freitag (17.12.2010) auch eine Veranstaltungsreihe des Lolligo statt.
Das Rahmen–Programm und das Programm im Detail findet ihr als Fotos.

Ich krieg die Krise (immer wieder)!

Was die Krise mit deiner Playstation zu tun hat.

Börsencrashs, Managergehälter, Konjunkturpakete und Sparpakete… seit Monaten muss man sich vermehrt diesen stinklangweiligen Mist reinziehen. Irgendjemand hat sich verspekuliert, alles bricht zusammen und dann zahlt die Regierung wahnsinnige Summen, Milliarden von Euro. Das wäre, als bekäme jeder in Österreich eine Playstation, ein super teures High-Tech-Fahrrad, eine Reise in die USA geschenkt und die Graffiti-Spraydosen für die nächsten zwei Jahre finanziert! Da wir das aber eh nicht bekommen, könnte es uns doch eigentlich egal sein. Dennoch stellt sich die Frage, ob sich Eltern oder Freund_innen ein neues Auto kaufen können, ob aufgrund von Kürzungen die Stadt weniger Geld für‘s Jugendzentrum oder den neuen Skatepark zur Verfügung stellen kann. Vielleicht werden die Möglichkeiten schwieriger, später einen Job zu finden? Also, so ganz unbemerkt geht das Ganze an unserem Leben dann anscheinend doch nicht vorbei.

Also was ist das nun eigentlich diese Krise?
Und warum gibt es die? Warum kann man die nicht einfach weglassen, wenn die nur Probleme macht? Wir kennen vielleicht Beziehungskrisen, Familienkrisen, oder auch mal Stress in der Schule bei dem man „die Krise kriegt“. Wenn das einer Gesellschaft und ihrer Ökonomie passiert, so bedeutet das ganz allgemein erstmal, dass ein großer Teil der produzierten Waren nicht mehr verkauft werden kann. Nicht, weil die Leute die Joghurts, Autos oder Playstations nicht mehr wollen oder brauchen, sondern weil sie nicht mehr dafür bezahlen können. Es gibt also eine Krise, nicht weil jemand den Hahn, wo die Playstations rauskommen, zugedreht hat, sondern weil dieser zu weit auf ist. Die Krise passiert häufig sogar dann, wenn es zu viele Waren gibt, zu viel Joghurt, zu viele Autos, zu viele Fußbälle. Das ist doch bekloppt, denn eigentlich könnten die doch einfach verteilt werden, wenn es nun schon mal hergestellt wurde. Das einzigartige System, in dem so eine dumme Sache passieren kann, ist der Kapitalismus: Die unverkäuflichen Güter führen zum Ruin ihrer Besitzer_innen und gleichzeitig gibt es Menschen, denen es am Nötigsten fehlt. Der Kapitalismus zeichnet sich dadurch aus, dass es einerseits die Leute gibt, die diese Güter besitzen. Und sie besitzen auch die Fabriken und Unternehmen, die diese ganzen Güter hergestellt haben. Andererseits gibt es die Menschen, die keine Fabrik besitzen und keine Maschinen und denen nichts anderes übrig bleibt, als arbeiten zu gehen. Der Trick bei der ganzen Angelegenheit ist, dass die Fabrikbesitzer_innen, wenn die Waren produziert sind, den Arbeiter_innen weniger Geld geben, als sie beim späteren Verkauf für die Waren bekommen und somit Profit machen. Das Problem ist nun, dass es im Kapitalismus fast nur um diesen Gewinn geht und weniger um die Bedürfnisse der Menschen nach eben Joghurts, Fahrrädern oder Fußbällen.

Aber warum gibt es denn nun diese Krise,
wenn die eigentlich niemand geil findet? Die Krisen kommen immer wieder. Im 19. Jahrhundert noch etwa alle zehn Jahre. Ab dem 20. Jahrhundert seltener, dafür umso heftiger. Schlaue Ökonom_innen können es zwar manchmal voraussehen, wann sich eine Krise abzeichnet und dennoch lassen sich Krisen nicht stoppen. Die verschiedenen Unternehmen stehen unter einem hohen Konkurrenzdruck – sie müssen immer mehr, schneller und besser produzieren, sonst können sie nicht mit den anderen mithalten. Und: Sie müssen immer mehr produzieren, um die Gewinne zu steigern. Wenn sich eine Krise abzeichnet, können sie sich nicht zusammen hinsetzen und überlegen, was sie tun, denn sie müssen immer gegeneinander handeln. Und so kommen im Kapitalismus immer wieder Krisen und zwar nicht, weil einige Kapitalist_innen besonders „gierig“ oder „böse“ sind, sondern weil die Kapitalist_innen wie ganz normale Kapitalist_innen handeln. Würden sie das nicht tun, dann gäbe es ihre Fabrik oder ihr Unternehmen nicht mehr lange (Wobei auch jeder einzelne Mensch im Kapitalismus als Unternehmen gilt).
Ist die Krise erstmal da, ist das Rauskommen schwer: Wenn Leute kein Geld mehr haben, um Sachen zu kaufen, machen Unternehmen weniger Gewinn. Dadurch können sie weniger investieren, also keine neuen Maschinen kaufen und auch keine Arbeiter_innen einstellen, wahrscheinlich entlassen sie sogar welche. Wer aber im Kapitalismus keine Arbeit hat, der hat kein oder wenig Geld und kann wiederum weniger Sachen kaufen. Wenn Leute aber kein Geld haben, um Sachen zu kaufen, machen Unternehmen weniger Gewinn und… ihr seht schon, der Kreislauf setzt sich fort und die Krise verstärkt sich. Gleichzeitig wirkt sie aber paradoxerweise auch wie ein „Reinigungsprozess“ für das kapitalistische System: Die nicht so profitablen Unternehmen gehen unter, die funktionierenden machen aufgrund der entstehenden niedrigen Löhne umso mehr Profit, es entsteht ein neuer Aufschwung. Dass bis dahin aber mal wieder umso mehr Hunger und Armut entstanden sind, ist dem Kapitalismus – dem es ja eh nicht um das chillige Leben für alle geht, sondern um Gewinn des Gewinns wegen – herzlich egal.

Und was ist jetzt die Lösung, um keine Finanzkrisen mehr zu haben?
Seit der Kapitalismus im Herbst 2008 kriselt, gibt es sehr, sehr viele Meinungen, warum das nun passiert ist und wer die Schuld trägt. Man hat das nicht lang genug voraus gesehen. Die Hypothekengeschäfte in den USA seien eine dumme Idee gewesen. Aber sehr häufig wird gesagt: Die Manager_innen sind zu „gierig“ und bekommen nicht genug und stürzen deswegen die ganze Ökonomie in den Ruin. Und dann gibt es genauso viele Vorschläge, wie man am besten aus der Krise wieder rauskommt. Die Leute sollen Geld bekommen, damit sie wieder kaufen können, Konjunkturpakete werden verabschiedet, damit die Banken wieder klarkommen. Und: Die Finanzmärkte sollen besser überwacht werden, damit das alles nicht noch einmal passiert. Über das Offensichtlichste spricht aber fast niemand: Wenn die Krisen immer und immer wieder kommen und wenn ihr Grund – es gibt zu viele Waren – das eigentliche Ziel der ganzen Schufterei ist (denn man will ja möglichst viel Umsatz und Gewinn machen), dann ist der Grund für die wiederkehrenden Krisen der Kapitalismus selbst. Hier gibt es das Streben nach immer mehr Gewinn und Umsatz, danach, immer mehr Fahrräder und Fußbälle zu produzieren. Und es gibt das Streben, immer besser als die Konkurrenz zu sein. Und genau dieses Streben führt irgendwann in die Krise. Aber das kann ja niemand wirklich zugeben, denn die Konsequenz wäre, dass wir uns eine andere Ökonomie ausdenken, als eine in der es nur um den Gewinn geht und nicht um die Nützlichkeit der produzierten Dinge. Aber eigentlich wäre es mehr als angebracht, sich etwas anderes auszudenken, denn wirklich schön ist der Kapitalismus nicht: Ständig arbeiten gehen,
vieleer Anderen leben und das ziemlich gut. Und der Kapitalismus führt dazu, dass es mit der Umwelt langsam aber sicher richtig den Bach runter geht.

Dabei könnte alles wirklich entspannt sein:
Alle Leute in der Gesellschaft könnten sich zusammen überlegen, was alles gebraucht oder gewollt wird, und das dann herstellen. Wenn Leute Lust auf ein noch leichteres Fahrrad mit dreißig Gängen haben, dann wird das eben gebaut, und alle, die eins wollen, kriegen eins. Wir könnten uns bei anderen Produkten aber auch zweimal überlegen, ob sie den Stress wirklich nötig sind. Sicherlich müssten wir alle weniger arbeiten und könnten uns vieles sparen: den ganzen Konkurrenzdruck, die ganze Werbung, die vielen Banken. Wir könnten richtig relaxen und jede_r hätte genug Zeit, mit seinen Freund_innen rumzuhängen, sich Tricks beim Skaten beizubringen oder vielleicht auch einfach nur genug Zeit für die Playstation zu haben. Bis dahin gilt es aber noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten, damit die Leute von ihrem Film, es ginge nicht anders, endlich mal runterkommen.

Nie wieder (Schul-)Klassen!

Vielleicht denkst du dir jetzt: Was soll das schon wieder heißen?! Schließlich geht man ja zur Schule um sich zu bilden. Aber was genau ist Bildung denn eigentlich? Sind es Grenzwerte in Mathematik, oder für den Test auswedig-gelernte Sterbedaten? Ist Bildung tatsächlich um 6 Uhr aufstehen, oder in der Klassenkonkurrenz und Notendruck nicht durchzudrehen? Ist Bildung wirklich immer zum Großteil das, was uns nicht interessiert? Wenn du Montagmorgen in der Klasse hockst und bereits über die Freitagabendgestaltung nachdenkst, denkst du dir da nicht auch gelegentlich: Irgendwas stimmt hier doch nicht?!

Nun, insgesamt erscheinen uns die oben gestellten Fragen wohl abstrakt, obwohl sich wohl jede und jeder irgendwie in dem beschriebenen Bild wieder findet. Ob es Schwierigkeiten beim frühen Aufstehen sind oder Probleme in einem speziellen Fach, oder einfach die fehlende Freizeit durch den ständigen Leistungsstress. Fragt sich nur wozu wir uns das alles eigentlich antun müssen …

Wer? Wie? Was?

Aber warum existiert eine Institution wie Schule überhaupt in unserer Gesellschaft? Man könnte meinen, um den Menschen ein Allgemein- und Fachwissen zu vermitteln, damit man im Alltag möglichst gut zurechtkommt. Für grundlegende Dinge (Grundrechenarten, Lesen/Schreiben, zentrale historische Zusammenhänge usw.) erscheint dies auch logisch. Jedoch stellt sich die Frage, inwiefern z.B. die Fähigkeit, Algorithmen auszurechnen und Kenntnis über die verschiedenen Monosacharidketten zu besitzen, mir bei meiner Alltagsbewältigung helfen soll. Außerdem: Angenommen, das oft gepredigte, zynische Motto „Fürs Leben lernen wir“ wäre tatsächlich Grundlage des staatlichen Schulbetriebs, wäre es dann nicht sinnvoller, viel mehr alltagstaugliches Wissen wie Kochen oder Sozialverhalten zu vermitteln? Die Annahme, dass Schule existiert, damit jede_r Einzelne in der persönlichen Entwicklung und im Alltag unterstützt wird, scheint somit vollkommen naiv und absurd.
Andere, die sich vielleicht politisch in der linken Ecke verorten würden, meinen, Schule sei deshalb so langweilig und „ineffektiv“, weil „die Politiker und die Reichen“ „das Volk“ dumm halten wollen, damit diese nicht auf revolutionäre Gedanken kommen. Ergo werden dann Forderungen wie etwa nach einem höheren Bildungsbudget und besserem österreichischem Abschneiden bei den PISA-Tests laut, oder, wie zuletzt bei den bundesweiten Schulstreiks im Frühjahr 2010, es wird sich darüber beschwert, dass so viele Schulstunden ausfallen. Komisch, dass wäre tatsächlich das Letzte, was ich an der Schule zu kritisieren hätte, im Gegenteil: Ich freue mich über jede Schulstunde, die ausfällt und in der ich mich statt mit den Funktionen der verschiedenen Organe des Luchses mit anderen, sinnvolleren Sachen beschäftigen oder einfach ausschlafen kann. Mal ganz abgesehen davon, dass es absurd ist, davon auszugehen, dass ein höherer Bildungsgrad einen Menschen zwangsläufig dazu bringt, über die Gesellschaft nachzudenken, bewusster zu leben und so vielleicht auch irgendwann auf wie auch immer geartete „revolutionäre Gedanken“ zu kommen, ist diese Annahme schlicht selbstüberschätzend; hier wird der Einfluss der politischen Linken auf die Gesellschaft und die Bevölkerung Österreichs leider maßlos übertrieben.


Wieso? Weshalb? Warum?

Vielleicht ist es für die Suche nach Sinn und Zweck von Schule in unserer Gesellschaft sinnvoller, wenn man nicht von „Schule im luftleeren Raum“ ausgeht, sondern sich die Funktionsweise unserer Gesellschaft anschaut und anschließend überlegt, welche Rolle die Schule bzw. Bildung generell in dieser einnimmt. Dann kommt man nämlich schnell zu der Erkenntnis, dass ohne Menschen, die (fast) jeden Tag arbeiten gehen und um die verfügbaren Arbeitsplätze konkurrieren, hier so gut wie nichts funktioniert. Das Prinzip Lohnarbeit scheint zentral wichtig und damit auch die Eignung der Menschen für die verschiedenen Arbeiten. Um bei Siemens irgendwelche Staubsauger zu entwickeln, braucht man eine Ausbildung in Elektronik und als Architekt_in sollte man über Grundwissen in mathematischer Statik verfügen. Langsam wird es offensichtlich: Eine Hauptaufgabe des staatlichen Bildungsbetriebs im Kapitalismus ist die Ausbildung von „Menschenrohmaterial“ zu fähigen Arbeitskräften, damit diese anschließend möglichst fachkundig für die verschiedenen Unternehmen oder auch für den Staat selber schuften können. Für uns alle konkret heißt das, dass nach den vielen Jahren Schule (plus eventuell Uni oder Ausbildung) noch viele Jahrzehnte Lohnarbeit anstehen, bevor wir dann Mitte 60 endlich in Pension gehen und mit dem Leben anfangen können. Irgendwas stimmt hier nicht.

Zurück zur Schule…
Neben einer derartigen ökonomischen Funktion kommt Schule in der bürgerlichen Gesellschaft auch eine ideologische zu. Warum wird in Geschichte zum Beispiel immer nur die österreichische bzw. die als „österreich“ konstruierte, sprich die Geschichte der Gebiete des heutigen Österreichs behandelt? Wenn’s hoch kommt, ist auch mal die französische oder die englische Revolution Thema; durch diese hauptsächlich auf Österreich und Europa gerichtete Fokussierung des staatlichen Geschichtsunterricht wird uns Schüler_innen vermittelt, dass die vor 2000 Jahren lebenden Germanen in irgendeiner Hinsicht mehr „zu uns gehören“ als zum Beispiel die Mongolen oder die alten Chinesen. Somit soll auch in Hinblick auf aktuelle politische Debatten die konstruierte österreichische Nation gerechtfertigt und pseudowissenschaftlich erklärt werden.

In der bürgerlichen Gesellschaft treten aber sich widersprechende Interessen auf. Etwa zwischen Arbeitnehmer_in und Chefetage. Die Idee des „Allgemeinwillens“ der „Staatsbürger_innen“ ist somit komplett irrsinnig. Außerdem werden die – unserer Gesellschaft zugrunde liegenden – ökonomischen Prinzipien, die den Alltag hauptsächlich bestimmen, so gut wie gar nicht behandelt.

…und zur Gesellschaft
Jetzt da wir sowohl die ökonomische als auch die ideologische Aufgabe von Schule im Kapitalismus grob erfasst haben, wird auch klarer, was ein „erfolgreiches“ Schulsystem ist. Nämlich keineswegs, wie das weiterhin von einigen naiven Gutgläubigen behauptet wird, die Vermittlung von möglichst viel Wissen für Alle – denn dann wäre der Großteil der Arbeitskräfte nämlich überqualifiziert und wer soll dann noch bei Schlecker an der Kasse sitzen?! Aber auch kein „Dummhalten“ der Bevölkerung: Österreichische Unternehmensvertreter_innen beschweren sich regelmäßig über die schlecht ausgebildeten Arbeiter_innen, die das österreichische Schulsystem produziert, woraufhin Politiker_innen schnell verlauten lassen, dass alles Mögliche für eine Besserung der Lage getan würde. Ein erfolgreiches Schulsystem im Kapitalismus sorgt neben der ideologischen Formung der Schüler_innen vielmehr für eine möglichst optimale Befriedigung der unternehmerischen Anforderungen an „deren“ Lohnarbeiter_innen. In Nationalökonomien, in denen wenig Facharbeiter_innen, dafür viel körperliche Arbeitskraft gebraucht wird, ist es also durchaus gewollt und auch innerhalb kapitalistischer Logik notwendig, dass ein Großteil der Bevölkerung keinen guten Bildungsgrad besitzt, weshalb das Abschneiden bei den internationalen PISA-Studien kein Indikator für ein „gutes“ oder „schlechtes“ Bildungssystem ist.
Forderungen nach „besserer Bildung für alle“, „Ausfinanzierung des Schulsystems“ oder kleineren Klassen machen die Schulzeit für die_den Einzelne_n vielleicht teilweise erträglicher, greifen aber zu kurz, da sie den dummen Zweck von Schule im Kapitalismus überhaupt nicht in Frage stellen bzw. sich diesem oft gar nicht bewusst sind. Somit wird auch beim Thema Schule/Bildung ein weiteres Mal deutlich, dass die Lösung von gesellschaftlichen Problemen und damit auch eine wesentliche Besserung unserer individuellen Situation nur erreicht werden können, wenn das große Ganze, die derzeitige nationalstaatlich-kapitalistische Organisierung der Gesellschaft überdacht und letztlich durch Alternativen ersetzt wird.

Zimt und Zucker gegen den bitteren Geschmack des Kapitalismus.

„Uns geht’s doch gut!“
Stimmt doch, die meisten von uns wachsen in wohlbehüteten Familien auf, gehen in die Schule und machen die Matura oder eine Lehre. Finden dann vielleicht eine halbwegs vernünftige Arbeit um irgendwann mal in Pension gehen zu dürfen, damit sie in der Freizeit Rasenmähen oder Gartenzwerge neu lackieren können. Gut, letzteres klingt nicht ganz so spannend. Aber im Vergleich zu vielen anderen geht es uns doch gut. In den Nachrichten sehen wir immer Bilder von Katastrophen in anderen Ländern , hören etwas von hohen Arbeitslosenzahlen, oder Menschen, die dadurch ihre Existenzgrundlage verloren haben.

Ja okay, selbst hierzulande passen viele Dinge nicht so ganz: Wenn du mal genauer mit deinen Freund*Innen quatschst, dann merkst du schnell, dass nicht nur deine Familie Probleme hat. Einige machen die Matura während andere bereits arbeiten gehen müssen, weil sie sich eine höhere Schule nicht leisten können. Oder wenn du direkt mit der Arbeitswelt konfrontiert wirst, dass es so etwas wie „frei Entfaltung“ nicht gibt, sondern eher ein ständiges zu Tode konkurrieren. Frauen und Mädchen kaum Party machen können, ohne begrapscht und belästigt zu werden. Migrant*innen auf offener Straße beleidigt und beschimpft werden. Dann hörst du wieder etwas von Arbeit, Arbeit und Arbeit … Und die Aussichten? In Pension gehen, Rasen mähen, Gartenzwerge neu lackieren und sich Nachrichten gönnen wie: „Pensionen müssen gekürzt werden“, „Menschen sollen länger arbeiten“, usw.

Ach scheiß drauf, sei‘n wir uns doch ehrlich, niemandem geht‘s gut. Warum?

>> Weil ich pennen mag und der Wecker läutet …

Wir verbringen Jahre damit, in die Schule zu gehen, Dinge zu hören, die uns nicht interessieren, oder Sachen zu lernen, die wir nicht brauchen. Unser Schulsystem gibt uns vor, dass wir etwas fürs Leben lernen. Dafür existiert es angeblich. Gut, für grundlegende Dinge wird dies durchaus zu treffen. Doch lassen wir die Schule nicht im luftleeren Raum schweben, sondern betrachten ihre grundlegende Funktion – dann ist es mit „freier Entfaltung“ nicht mehr weit her. An Jahre der sinnlosen Schulstunden folgen Jahrzehnte der monotonen Arbeit. Wir sind dauernd gezwungen unsere Arbeitskraft zu verkaufen und um Arbeitsplätze zu konkurrieren. Und dafür ist Schule da, dass wir zu sogenanntem „Menschenrohmaterial“ ausgebildet werden, damit wir für den Staat oder die Wirtschaft hackeln dürfen. Deswegen ist ein „erfolgreiches“ Schulsystem auch keines, dass möglichst viel Wissen an alle weiter gibt, denn dann wären zu viele überqualifiziert. Genau so wenig wie eines, dass die Leute zu dumm hält, denn dann wären sie für die Arbeit ungeeignet. Deswegen machen Forderungen nach einer „besseren Bildung für alle“ zwar Sinn, weil sie die Situation zumindest erträglicher machen, werden aber in der derzeitigen nationstaatlich-kapitalistischen Ordnung nie endgültig realisierbar sein.


>> Ich einfach nur gern Party machen würde, aber dauernd von Typen begrapscht werde.

Und wenn wir aber einmal dann Freizeit neben Schule, Uni oder Arbeit genießen dürfen, dann geht‘s es meistens auf eine nette Party. Doch dort beginnt oft schon der Stress: irgendwelche Typen grölen herum und begrapschen Frauen, dabei ziehen sie ihre T-Shirts aus, schütten eine Dose Bier über ihren Körper – den sie allen zeigen müssen – und fühlen sich wie „richtige Männer“. Sexistische Verhaltensweise begegnen dir aber nicht nur auf Partys, sondern auch im Alltag. Mal deutlicher, wenn Männer ihren Macker raus hängen lassen müssen, mal weniger bemerkbar, wenn sie bestimmen oder unterbrechen. Doch Sexismus ist nicht bloß ein falsches Verhalten, das es abzustellen gilt, oder dem es mit entsprechenden Verhaltensdiskussionen entgegenzuwirken ist. Auch ein Frauenministerium, eine Lohnangleichung oder ähnliches wird keine Gesellschaft jenseits von Geschlechterrollen herbeiführen. Der Kapitalismus, der auf Konkurrenz und Krise basiert, wird immer sexistische Verhaltensmuster hervorbringen. In Krisen werden es immer die sozial Schwächeren sein, die für Dinge bezahlen, die sie nicht verursacht haben: wie z.B. Frauen oder Migrant*innen.

>> Weil ich mein ganzes Leben lang für andere arbeiten muss …
Es ist ja schon öfters gefallen, das geliebte Wort der Arbeit. Den größten Teil unseres Lebens verbringen wir mit Arbeiten. Wir sind ständig dazu gezwungen, unsere Arbeitskraft – also uns selbst – zu verkaufen und das unter einem ständig m Konkurrenzdruck. Lohnarbeit, Arbeitszwang und Gehalt zählen zu den absurdesten Einrichtungen des Kapitalismus, doch kaum werden sie ernsthaft hinterfragt. Bei Gelegenheit kommen dann Forderungen nach einer Lohnerhöhung oder gar einem Grundeinkommen. Keine schlechten Ideen um die Situation etwas erträglicher zu machen. Trotzdem, die knallharte Konkurrenz wird immer bleiben. Wir gehen auch nicht für uns arbeiten, oder ein vermeintliches „wir“, sondern für den Profit. In dieser Welt geht es nicht um die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse, sondern darum, dass Geld zu mehr Geld wird.

>> Weil alles zusammen gehört und Österreich scheiße ist.
An allen Ecken und Enden kriselt und kracht es, doch niemand will davon wissen. Wir konkurrieren uns jeden Tag zu Tode, trotzdem fasseln alle von einem „wir“,„wir als Österreicher*innen“. Auf dieses nicht auffindbare „wir“, sind dann auch noch ziemlich viele stolz. Denn dieses über die Nation vermittelte Gefühl, ist nichts konstantes oder ewiges. Es dreht und wendet sich, wie es ihm gerade passt. Dennoch ist die Nation ein wesentlicher Bestandteil einer kapitalistischen Welt. Wie wir alle gegeneinander konkurrieren, so tun dies auch die Nationen.

Daher werden nationalistische Gefühle geweckt, die immer den Ausschluss anderer beinhalten und ohne Rassismus nicht denkbar sind. Damit die Nation aber auch ihre formale Kraft entwickelt, gibt es den Staat. Der fasselt zwar auch etwas von „Freiheit“, doch frei sind wir immer nur, um uns am Arbeitsmarkt zu verkaufen. Wenn wir uns ihm nicht unterwerfen, dann ist es schnell mit der „Freiheit“ gewesen. Es geht um Profit. Damit die auf Konkurrenz basierte Arbeit aber auch ihren geregelten Weg nimmt, braucht es wieder den Staat. Und damit es so schön ist, konkurriert dieser wiederum mit anderen Staaten, und der Kreis schließt sich. Die Menschen sind somit unmittelbar an den Staat in dem sie leben gebunden, ob sie es wollen, oder nicht. Damit sie es wollen, werden laufend nationale Identitäten geschaffen. Wenn es um den Staat oder die Nation geht, dann sind damit immer menschenverachtende Regeln von Lohnabreit, Konkurrenz, Gewinnstreben und Ausschluss gemeint.

< < und warum wir Zimt und Zucker einfach geiler finden?
Weil wir Spass am Leben haben wollen, und nicht den ständig tristen Alltag. Weil Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und alle anderen Herrschaftsformen immer schon scheiße waren und es auch immer bleiben werden. Weil es die richtige Freiheit nie gab, weder im Realsozialismus, noch im Kapitalismus.

Arbeit Nervt!

Endlich wird die Arbeit knapp.

Endlich wird die Arbeit knapp? Gehts noch? Wer diese Überschrift liest, wird sich wohl erstmal denken „Jetzt spinnen die total!“. Arbeit ist in dieser Gesellschaft schließlich mit das Wichtigste überhaupt. Aber ist es nicht eigentlich ein gutes Zeichen, dass die Arbeit knapp wird? Durch gestiegenen Produktivität der Gesellschaft seit der industriellen Revolution ist es möglich dass weniger Arbeit zu mehr Produktion führt. Das bedeutet wir könnten denselben oder einen sogar besseren Lebensstandard halten und müssten weniger dafür tun. Doch warum werden Menschen, die nicht arbeiten können oder wollen, beschimpft, bedroht und ermordet? Warum wird Arbeit nicht als ein notwendiges Übel erkannt, sondern abgefeiert und immer „Arbeitsplätze für alle!“ gefordert? Warum freut sich keine_r, wenn es weniger zu tun gibt?

Endlich wird die Arbeit knapp.

Endlich wird die Arbeit knapp? Gehts noch? Wer die Überschrift liest, wird sich wohl erstmal denken „Jetzt spinnen die total!“. Arbeit ist in dieser Gesellschaft schließlich mit das Wichtigste überhaupt. In regelmäßigen Abständen werden die Arbeitslosenzahlen veröffentlicht und jeder Prozentpunkt weniger wird abgefeiert. Wenn irgendwo eine neue Fabrik entstehen soll und es gibt Proteste, etwa wegen Umweltschutz oder so, heißt es immer: „Hey, da entstehen doch Arbeitsplätze.“ Und es scheint fast so, als sei das ein Wert an sich. Viele arbeiten offensichtlich nicht, um Geld und ein einigermaßen erträgliches Leben zu haben, sondern sie leben, um zu arbeiten.

Das geht sogar soweit, dass Menschen die keine Jobausbildung abgelegt haben, beispielsweise nach einer Lehre die Lehrabschlussprüfung, am Arbeitsmarkt als „Freiwild“ angesehen werden. Sie müssen jeden Job annehmen der ihnen vom AMS gegeben wird, ohne Ausnahme. Weigern sie sich aber Straßen zu kehren oder ins Schnitzelhaus zu gehen, wird ihnen die Unterstützung vom Staat fristlos gestrichen. Einfach so seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, ohne arbeiten zu gehen, ist zutiefst verpönt. Besonders deutlich wird das bei einem Blick in die unzähligen Nachmittags-Talkshows, wo regelmäßig Menschen eingeladen und vorgeführt werden, die von sich selber offen zugeben, keinen Bock auf Arbeit zu haben. Da kocht die Volksseele und es ist nicht schwer sich vorzustellen, was passieren würde, wenn die Kamera aus wäre und es die Möglichkeit gäbe, ungestraft die „Asozialen“ zur Verantwortung zu ziehen.
Und auch die dutzenden Morde an Obdachlosen in den vergangenen Jahren sprechen eine deutliche Sprache. Bei den Tätern handelt sich dabei nicht zwangsläufig um waschechte Neonazis. Hinter solch menschenverachtenden Taten steckt auch eine Logik, die eine der Grundlagen unserer Gesellschaft darstellt – sicher nicht auf diese Art und Weise, aber dafür um so weiter verbreitet. Selbst der amtierende SPD-Vorsitzende Franz Müntefering in Deutschland (und das ist ja nicht soweit weg) ließ schonmal ganz öffentlich verlauten: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“

Arbeit, du alte Scheisse!

Doch warum werden Menschen, die nicht arbeiten können oder wollen, beschimpft, bedroht und ermordet? Warum wird Arbeit nicht als ein notwendiges Übel erkannt, sondern abgefeiert und immer „Arbeitsplätze für alle!“ gefordert? Warum freut sich keine_r, wenn es weniger zu tun gibt?
Denn es ist eigentlich ein gutes Zeichen, dass die Arbeit knapp wird. Das hängt mit der gestiegenen Produktivität der Gesellschaft insgesamt zusammen. Seit der industriellen Revolution ist es den Menschen möglich, durch Arbeitsteilung, Einsatz von Maschinen und anderer Technik viel mehr in viel kürzerer Zeit zu produzieren. Es müsste also viel weniger gearbeitet werden, um den gleichen Standard zu halten. Wenn, ja wenn es bei Lohnarbeit überhaupt darum ginge, die Sachen herzustellen, die alle Menschen brauchen, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Doch die Sachen, die hergestellt werden, haben einfach nicht diesen Zweck – es werden nur zahlungskräftige Bedürfnisse befriedigt. So ist es z.B. scheissegal ob ich Hunger habe und was zu essen brauche. Wenn ich nicht dafür bezahlen kann, ist spätestens an der Kasse bei Spar oder Billa Schluss mit lustig und ich gehe ohne Essen nach Hause. Ganz zu schweigen von der neuesten Playstation oder dem Konzertbesuch.
Mit der Lohnarbeit sieht es entsprechend ähnlich aus – wir arbeiten eben nicht jede_r nach seinen_ihren Bedürfnissen, jede_r nach seinen_ihren Fähigkeiten und für ein gutes Leben für alle. Wir werden gezwungen zu arbeiten. Gezwungen? Klar gehe ich einerseits zwar ein freies Vertragsverhältnis mit meinem Arbeitgeber ein, andererseits aber auch ein unfreies und ungerechtes. Unfrei deswegen, weil ich ja gezwungen bin, meine Arbeitskraft zu verkaufen, um über die Runden zu kommen, um Kohle zum Überleben zu haben – ich bin abhängig vom Lohn. Ungerecht deshalb, weil durch die staatliche Garantie des Privateigentums den unmittelbaren Produzenten (Lohnarbeiter_innen) der Zugriff auf den von ihnen selbst produzierten gesellschaftlichen Reichtum verwehrt wird, der statt dessen eben bei den Besitzer_innen der Unternehmen, der Fabriken und Produktionsmittel ankommt. Und ich hab den Arbeitsvertrag auch noch freiwillig und glücklich unterschrieben…
Doch die ganze Sache ist noch absurder: Die Betriebe, in denen die Lohnabhängigen arbeiten, kooperieren nicht nach sachlichen Erwägungen – z.B. was wird gebraucht und kann wie und wo am einfachsten hergestellt werden. Sie folgen nicht gesellschaftlichen Bedürfnissen und technisch-praktischen Erfordernissen des Arbeitsprozesses, sondern begegnen sich zuallererst als Konkurrenten, die jeweils für sich selbst ein Maximum herausholen müssen.

Konkurrenz nervt!

Der Unternehmer muss sich also gegen seinen Konkurrent_innen durchsetzen, wie du dich auch gegen die Anderen durchsetzen musst, wenns z.B. um einen der knapper werdenden Arbeitsplätze geht. „Konkurrenz belebt das Geschäft“ heißt es dann oft zur Begründung. Nur geht es uns nicht ums Geschäft, sondern um ein gutes Leben für alle. „Aber der Mensch ist nunmal egoistisch“ wird dann als „Argument“ vorgebracht, warum alles so bleiben muss wie es ist. Schließlich würde keine_r freiwillig arbeiten gehen, wenn er_sie nicht müßte, und alle würden alles haben wollen und zu Hause die MP3-Player und Bananen nur so horten. Damit wird aber die egoistische Verhaltensweise, die man in einer auf Konkurrenz beruhenden Gesellschaft an den Tag legen muss, um klarzukommen, in eine angebliche „Natur des Menschen“ verlagert. Und witzigerweise nehmen sich die Vertreter_innen dieser „Egoismus“-Begründung oft selber davon aus und müssten selbstverständlich auch Gegenbeispiele anerkennen. Doch damit ist schon bewiesen, dass dieser Egoismus nichts Natürliches ist. Auch warum man Dinge horten sollte, wenn die keinen Wert im kapitalistischen Sinne mehr haben, sondern schlicht zur Bedürfnisbefriedigung aller Menschen da sind, können sie nicht erklären.

Die Lohnarbeit, das Gerangel um Arbeitszeiten, Arbeitszwang und Gehalt sind gute Beispiele für die Absurdität des kapitalistischen Hauens und Stechens und des Rechts des Stärkeren in demokratischen Bahnen. Nun gibt es Menschen, die fordern ein bedingungsloses Grundeinkommen, also eine Standardsumme, die jedem Bürger dieses Staates zustehen soll, egal ob er arbeiten geht oder nicht. Und es gibt etwa die Gewerkschaften, die regelmäßig fordern, dass man nicht „arm trotz Arbeit“ sein dürfe und deshalb einen grundsätzlichen Mindestlohn einführen wollen. Und natürlich wären solche Reformen nicht schlecht für Menschen, die darauf angewiesen sind ihre Arbeitskraft zu verkaufen, um über die Runden zu kommen, weil sie eben keine Produktionsmittel haben. Nur ändert dieses bisschen „Umverteilen“ nichts an den grundlegenden Problemen. In dieser Welt wird nicht für die Bedürfnisse der Menschen produziert, sondern um aus Geld mehr Geld zu machen und zwar, unter Bedingungen knallharter Konkurrenz. Das muss geändert werden und das geht nicht mit Reformen im Kapitalismus, sondern nur mit einer Überwindung der bestehenden Verhältnisse.