Zimt und Zucker gegen den bitteren Geschmack des Kapitalismus.

„Uns geht’s doch gut!“
Stimmt doch, die meisten von uns wachsen in wohlbehüteten Familien auf, gehen in die Schule und machen die Matura oder eine Lehre. Finden dann vielleicht eine halbwegs vernünftige Arbeit um irgendwann mal in Pension gehen zu dürfen, damit sie in der Freizeit Rasenmähen oder Gartenzwerge neu lackieren können. Gut, letzteres klingt nicht ganz so spannend. Aber im Vergleich zu vielen anderen geht es uns doch gut. In den Nachrichten sehen wir immer Bilder von Katastrophen in anderen Ländern , hören etwas von hohen Arbeitslosenzahlen, oder Menschen, die dadurch ihre Existenzgrundlage verloren haben.

Ja okay, selbst hierzulande passen viele Dinge nicht so ganz: Wenn du mal genauer mit deinen Freund*Innen quatschst, dann merkst du schnell, dass nicht nur deine Familie Probleme hat. Einige machen die Matura während andere bereits arbeiten gehen müssen, weil sie sich eine höhere Schule nicht leisten können. Oder wenn du direkt mit der Arbeitswelt konfrontiert wirst, dass es so etwas wie „frei Entfaltung“ nicht gibt, sondern eher ein ständiges zu Tode konkurrieren. Frauen und Mädchen kaum Party machen können, ohne begrapscht und belästigt zu werden. Migrant*innen auf offener Straße beleidigt und beschimpft werden. Dann hörst du wieder etwas von Arbeit, Arbeit und Arbeit … Und die Aussichten? In Pension gehen, Rasen mähen, Gartenzwerge neu lackieren und sich Nachrichten gönnen wie: „Pensionen müssen gekürzt werden“, „Menschen sollen länger arbeiten“, usw.

Ach scheiß drauf, sei‘n wir uns doch ehrlich, niemandem geht‘s gut. Warum?

>> Weil ich pennen mag und der Wecker läutet …

Wir verbringen Jahre damit, in die Schule zu gehen, Dinge zu hören, die uns nicht interessieren, oder Sachen zu lernen, die wir nicht brauchen. Unser Schulsystem gibt uns vor, dass wir etwas fürs Leben lernen. Dafür existiert es angeblich. Gut, für grundlegende Dinge wird dies durchaus zu treffen. Doch lassen wir die Schule nicht im luftleeren Raum schweben, sondern betrachten ihre grundlegende Funktion – dann ist es mit „freier Entfaltung“ nicht mehr weit her. An Jahre der sinnlosen Schulstunden folgen Jahrzehnte der monotonen Arbeit. Wir sind dauernd gezwungen unsere Arbeitskraft zu verkaufen und um Arbeitsplätze zu konkurrieren. Und dafür ist Schule da, dass wir zu sogenanntem „Menschenrohmaterial“ ausgebildet werden, damit wir für den Staat oder die Wirtschaft hackeln dürfen. Deswegen ist ein „erfolgreiches“ Schulsystem auch keines, dass möglichst viel Wissen an alle weiter gibt, denn dann wären zu viele überqualifiziert. Genau so wenig wie eines, dass die Leute zu dumm hält, denn dann wären sie für die Arbeit ungeeignet. Deswegen machen Forderungen nach einer „besseren Bildung für alle“ zwar Sinn, weil sie die Situation zumindest erträglicher machen, werden aber in der derzeitigen nationstaatlich-kapitalistischen Ordnung nie endgültig realisierbar sein.


>> Ich einfach nur gern Party machen würde, aber dauernd von Typen begrapscht werde.

Und wenn wir aber einmal dann Freizeit neben Schule, Uni oder Arbeit genießen dürfen, dann geht‘s es meistens auf eine nette Party. Doch dort beginnt oft schon der Stress: irgendwelche Typen grölen herum und begrapschen Frauen, dabei ziehen sie ihre T-Shirts aus, schütten eine Dose Bier über ihren Körper – den sie allen zeigen müssen – und fühlen sich wie „richtige Männer“. Sexistische Verhaltensweise begegnen dir aber nicht nur auf Partys, sondern auch im Alltag. Mal deutlicher, wenn Männer ihren Macker raus hängen lassen müssen, mal weniger bemerkbar, wenn sie bestimmen oder unterbrechen. Doch Sexismus ist nicht bloß ein falsches Verhalten, das es abzustellen gilt, oder dem es mit entsprechenden Verhaltensdiskussionen entgegenzuwirken ist. Auch ein Frauenministerium, eine Lohnangleichung oder ähnliches wird keine Gesellschaft jenseits von Geschlechterrollen herbeiführen. Der Kapitalismus, der auf Konkurrenz und Krise basiert, wird immer sexistische Verhaltensmuster hervorbringen. In Krisen werden es immer die sozial Schwächeren sein, die für Dinge bezahlen, die sie nicht verursacht haben: wie z.B. Frauen oder Migrant*innen.

>> Weil ich mein ganzes Leben lang für andere arbeiten muss …
Es ist ja schon öfters gefallen, das geliebte Wort der Arbeit. Den größten Teil unseres Lebens verbringen wir mit Arbeiten. Wir sind ständig dazu gezwungen, unsere Arbeitskraft – also uns selbst – zu verkaufen und das unter einem ständig m Konkurrenzdruck. Lohnarbeit, Arbeitszwang und Gehalt zählen zu den absurdesten Einrichtungen des Kapitalismus, doch kaum werden sie ernsthaft hinterfragt. Bei Gelegenheit kommen dann Forderungen nach einer Lohnerhöhung oder gar einem Grundeinkommen. Keine schlechten Ideen um die Situation etwas erträglicher zu machen. Trotzdem, die knallharte Konkurrenz wird immer bleiben. Wir gehen auch nicht für uns arbeiten, oder ein vermeintliches „wir“, sondern für den Profit. In dieser Welt geht es nicht um die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse, sondern darum, dass Geld zu mehr Geld wird.

>> Weil alles zusammen gehört und Österreich scheiße ist.
An allen Ecken und Enden kriselt und kracht es, doch niemand will davon wissen. Wir konkurrieren uns jeden Tag zu Tode, trotzdem fasseln alle von einem „wir“,„wir als Österreicher*innen“. Auf dieses nicht auffindbare „wir“, sind dann auch noch ziemlich viele stolz. Denn dieses über die Nation vermittelte Gefühl, ist nichts konstantes oder ewiges. Es dreht und wendet sich, wie es ihm gerade passt. Dennoch ist die Nation ein wesentlicher Bestandteil einer kapitalistischen Welt. Wie wir alle gegeneinander konkurrieren, so tun dies auch die Nationen.

Daher werden nationalistische Gefühle geweckt, die immer den Ausschluss anderer beinhalten und ohne Rassismus nicht denkbar sind. Damit die Nation aber auch ihre formale Kraft entwickelt, gibt es den Staat. Der fasselt zwar auch etwas von „Freiheit“, doch frei sind wir immer nur, um uns am Arbeitsmarkt zu verkaufen. Wenn wir uns ihm nicht unterwerfen, dann ist es schnell mit der „Freiheit“ gewesen. Es geht um Profit. Damit die auf Konkurrenz basierte Arbeit aber auch ihren geregelten Weg nimmt, braucht es wieder den Staat. Und damit es so schön ist, konkurriert dieser wiederum mit anderen Staaten, und der Kreis schließt sich. Die Menschen sind somit unmittelbar an den Staat in dem sie leben gebunden, ob sie es wollen, oder nicht. Damit sie es wollen, werden laufend nationale Identitäten geschaffen. Wenn es um den Staat oder die Nation geht, dann sind damit immer menschenverachtende Regeln von Lohnabreit, Konkurrenz, Gewinnstreben und Ausschluss gemeint.

< < und warum wir Zimt und Zucker einfach geiler finden?
Weil wir Spass am Leben haben wollen, und nicht den ständig tristen Alltag. Weil Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und alle anderen Herrschaftsformen immer schon scheiße waren und es auch immer bleiben werden. Weil es die richtige Freiheit nie gab, weder im Realsozialismus, noch im Kapitalismus.


1 Antwort auf „Zimt und Zucker gegen den bitteren Geschmack des Kapitalismus.“


  1. 1 Jelto 11. Oktober 2010 um 18:50 Uhr

    großartig! respekt

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.